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Bevor wir uns dem bildnerischen Werk des vielseitig interessierten und talentierten jungen Künstlers nähern, ist es bedeutsam auf den Entstehungsprozess der Bilder selbst hinzuweisen.
Von Klee stammt die Aussage: „ Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, die ich den nachfolgenden Betrachtungen voranstellen möchte.
Ganz in der Tradition seines künstlerisch-kreativen Elternhauses stehend, das vorbildhaft nicht nur künstlerische Bildung vermittelt, hat Andreas früh eine Begeisterung für das Schöne in der Kunst, mehr noch um mit Kandinsky zu sprechen, für „das Geistige in der Kunst“ entwickelt. Hier im Sinne einer Geistigkeit die stark vom Seelischen berührt wird.
Eine besondere Zugangsart zu den Objekten, ein feines Gespür für Farben, Farbbegegnungen und ein intimes Erleben des Farbprozesses selbst, zeichnet daher auch seine Begegnung mit der Welt aus.
Wem die Gelegenheit eröffnet wird dem Künstler bei seinem Schaffensprozess zu sehen zu können, wir erstaunt sein für sein besonderes Gespür, seinen Geschmack, sein feines Empfinden für das Farb-Wesen.
Tief berührt von der Erscheinung die ihm zur Anregung oder zum Motiv wird, stimmt er sich auf sein Gegenüber ein, versucht tastend, achtungsvoll einen Begegnungsraum zu schaffen in dem sich das Objekt selbst aussprechen kann. Ihm ist durch einen Wink des Schöpfers als Natur-Talent eine Qualität mit auf den künstlerischen Lebensweg gegeben worden, die auch als „anschauende Urteilskraft“ im Sinne Goethes bezeichnet werden kann. Hier modifiziert im Sinne einer „anschauenden Erlebniskraft“.
Eine Qualität, die hunderte von Kunstwissenschaftstudenten erst in Seminaren zur Wahrnehmungsschulung, bei dem angesehenen Professor Michael Bockemühl der Privatuniversität Witten / Herdecke erwerben wollen.
Dessen Credo lautet, „Ohne Wahrnehmung keine Welt“.
Gleichsam in andere Welten eintauchend, die uns wie durch einen feinen Schleier verborgen scheinen, wird alles Betrachtete lange geprüft, bevor es verinnerlicht wird und dann gestaltet wieder in Erscheinung tritt.
Erst wenn der Einklang mit der inneren Gestimmtheit (und da lässt der Künstler sich wirklich nicht gerne unterbrechen), in Bezug zu den wahrgenommenen Farbkomponenten, Formharmonien und verborgenen Kraftlinien erreicht wird, setzt Andreas als Ergebnis seiner phänomenologischen Untersuchung seine lang abgewogenen Farbakzente.
Findet der aufstrebende Künstler nun wiederum in dem Farbkasten nicht die geeigneten Farben, bleibt er so lange auf der Suche nach dem richtigen Farbauftrag, bis zuletzt selbst die geeigneten Farbmischungen erstellt worden sind. Er steht damit unbewusst in der Tradition der alten Meister, oder auch moderner Künstler wie Yves Klein, die nicht ruhten, bis sie in einem gleichsam alchimistischen Prozess den Farbauftrag sich erarbeitet hatten, der eine gelungene Farbwirkung erreichte.
Die Bilder von Andreas haben einen ganz eigenständigen unverwechselbaren Charakter. Sie sind geprägt von Unmittelbarkeit und Frische wie sie uns bei bestimmten Farbharmonien der Künstlergruppe des „Blauen Reiter“ oder der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ entgegen strahlt. Andreas verehrt diese Künstler besonders. Es ist Ihm kein Weg zu weit um diese Werke im Original zu sehen und zu studieren.
Betrachten wir nun als Beispiel das so genannte „Tulpenbild“ in Acryltechnik, so werden wir unmittelbar an das Tulpenwesen, an das Erlebnis der Farben der Pflanzen, an die Klangwelt eines Blumenstraußes herangeführt. Bringen wir eine Offenheit für den Klang der Dinge mit, so erlösen wir diese von ihren in Begriffen erstarrten Interpretationen.
Andreas nimmt uns ohne Umschweife mit in seine Erlebniswelt und lässt uns Anteil nehmen an seiner Sicht auf die Welt der Dinge und Personen. Seine Zugangsart zu den Gegenständen gibt vielleicht Einblick in den Entstehungsprozess seiner Bilder.
So nähert sich der Künstler den Objekten eines Stilllebens beispielsweise so, dass er zuvor Geruch, Geschmack und Gewicht der einzelnen Komponenten in Erfahrung bringt, bevor er seine Farb- und Formkompositionen beginnt.
Diese nach Goethe zu benennende phänomenologische Betrachtungsweise weist uns den Weg zeitgemäßer Bildbetrachtung: „Wahrnehmen heißt Begegnen“.
Eine wahrlich verlorene Qualität in unserer schnelllebigen Zeit, ist sich von der Natur belehren zu lassen, denn die Kunst ist die Dienerin der Natur. „Ars naturae ministra“
Die vorliegende Werkschau lädt uns also ein zu einer Begegnung mit dem jungen Künstler und zugleich auch zu einer neuen, ursprünglicheren Art des Sehens, die endlich auch in der Kunstwissenschaft Einzug gehalten hat.
So formulierte Frau Christa Maar für die Dokumentation anlässlich einer Vorlesungsreihe an der LMU München mit den Titel „ Icon Turn- die neue Macht der Bilder“ wörtlich: „ Das Bedürfnis zu verstehen, auf welche Weise und in welchen Kontexten Bilder entstehen, wie sie wahrgenommen werden und welche Wirkung sie entfalten können, ist, so scheint es, ein zentrales Anliegen der wissenschaftlichen Community geworden.“(Quelle: Editorial zur 3.Auflage,Maar/Buche)
Ich freue mich nun, dass die Jugendkunstakademie München mit ihrer integrativen und interdisziplinären Ausrichtung, gemeint ist hier die künstlerische Therapie auf anthroposophischer Grundlage in Verbindung mit künstlerischer Bildung und Ausbildungsförderung, auch vornehmlich neue Zugänge zur Wahrnehmung, zur Welt und letztlich zur Selbstgestaltung ermöglichen konnte.
Mein besonderer Dank gilt allen Dozentinnen und Dozenten, für die liebevolle, einfühlsame individuelle und zugleich professionelle Begleitung der vielen hundert Jugendlichen, aus über 10 Nationen, auf dem Weg zur Selbst-Werdung und Selbst- Entfaltung.
Mein Dank gilt aber auch den anwesenden Eltern und Andreas selbst, dass sie eigenständig die Initiative ergriffen haben für die erste große Einzellausstellung.
Allen Anwesenden wünsche ich nun offene Herzen und einen weiten künstlerischen Sinn für die ansprechende Farben-Welt von Andreas Soos.
Hans Joachim von Zieten
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