Ausstellung in der Mohr-Villa - Oktober 2009

Hans-Joachim von Zieten, Leiter der Jugendkunstakademie München und Freien Akademie München

Sehr verehrte Anwesende,  liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Familie Soos, liebe Jugendkunstakademie Schüler und Schülerinnen

Junge Menschen auf den Weg vom „Geschöpf zum Schöpfer“ zu begleiten, ihnen einen künstlerischen Blick auf die Welt zu ermöglichen und Schritte der Selbstentwicklung einzuleiten ist die vornehmliche Aufgabe der von meiner Frau Yvonne von Zieten und der von mir 1999 gegründeten Jugendkunstakademie München.

Es ist daher eine besondere Ehre heute die erste Einzelausstellung des  25 Jährigen Jugend Kunst Akademie Schülers, Andreas Soos eröffnen zu können.

Ich freue mich sehr, dass ich an diesem Ort in der Villa Mohr die erste Ausstellung erleben kann.

War es doch der Ort an dem die Freie Akademie München für Kunsttherapie und Kulturpädagogik, angeregt durch die Akademie  Dozentin und Sprachgestalterin, Frau Renate Spehr, ab 1992 die ersten Kunstkurse für die damalige Mohrvilla Initiative gab und das Gründungsmitglied des Vereins , Freie Akademie München e.V., die begnadete Malerin, Grafikerin und Lyrikerin, Frau Traute Bühler Kistenberger, den aller ersten Prospekt der Mohrvilla mit ausdruckstarken Zeichnungen illustrierte.
Später folgte dann in München Haidhausen die Gründung der Jugendkunstakademie unter der Schirmherrschaft von Mirja Sachs.

Konnte der Aufbau auch nicht an diesem Ort ergriffen werden- die Heimat der beiden Akademien ist dann das schöne Haidhausen geworden- so gab es immer einen feinen Unter- Strom zur Villa Mohr.

Nach über einem Jahrzehnt schließt sich nun der Kreis und die einstigen Kunst und Bildungs- Impulse leuchten sprichwörtlich wieder auf in der farbenprächtigen Kunst, die uns diese gelungene Ausstellung bietet und deren Zustandekommen soziale Begegnungsräume ermöglichen möge.

Bevor wir uns dem bildnerischen Werk des vielseitig interessierten und talentierten jungen Künstlers nähern, ist es bedeutsam auf den Entstehungsprozess der Bilder selbst hinzuweisen.

Von Klee stammt die Aussage: „ Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, die ich den nachfolgenden Betrachtungen voranstellen möchte.

Ganz in der Tradition seines künstlerisch-kreativen Elternhauses stehend, das vorbildhaft nicht nur künstlerische Bildung vermittelt, hat Andreas früh eine Begeisterung für das Schöne in der Kunst, mehr noch um mit Kandinsky zu sprechen, für „das Geistige in der Kunst“ entwickelt.
Hier im Sinne einer Geistigkeit die stark vom Seelischen berührt wird.

Eine besondere Zugangsart zu den Objekten, ein feines Gespür für Farben, Farbbegegnungen und ein intimes Erleben des Farbprozesses selbst, zeichnet daher auch seine Begegnung mit der Welt aus.

Wem die Gelegenheit eröffnet wird dem Künstler bei seinem Schaffensprozess zu sehen zu können, wird erstaunt sein für sein besonderes Gespür, seinen Geschmack, sein feines Empfinden für das Farb-Wesen.

Tief berührt von der Erscheinung die ihm zur Anregung oder zum Motiv wird, stimmt er sich auf sein Gegenüber ein, versucht tastend, achtungsvoll einen Begegnungsraum zu schaffen in dem sich das Objekt selbst aussprechen kann.
Ihm ist durch einen Wink des Schöpfers als Natur-Talent eine Qualität mit auf den künstlerischen Lebensweg gegeben worden, die auch als „anschauende Urteilskraft“ im Sinne Goethes bezeichnet werden kann. Hier modifiziert im Sinne einer „anschauenden Erlebniskraft“.

Eine Qualität, die hunderte von Kunstwissenschaftstudenten erst in Seminaren zur Wahrnehmungsschulung, bei dem angesehenen Professor Michael Bockemühl der Privatuniversität Witten / Herdecke erwerben wollen.

Dessen Credo lautet, „Ohne Wahrnehmung keine Welt“.

Gleichsam in andere Welten eintauchend, die uns wie durch einen feinen Schleier verborgen scheinen, wird alles Betrachtete lange geprüft, bevor es verinnerlicht wird und dann gestaltet wieder in Erscheinung tritt.

Erst wenn der Einklang mit der inneren Gestimmtheit (und da lässt der Künstler sich wirklich nicht gerne unterbrechen), in Bezug zu den wahrgenommenen Farbkomponenten, Formharmonien und verborgenen Kraftlinien erreicht wird, setzt Andreas als Ergebnis seiner phänomenologischen Untersuchung seine lang abgewogenen Farbakzente.

Findet der aufstrebende Künstler nun wiederum in dem Farbkasten nicht die geeigneten Farben, bleibt er so lange auf der Suche nach dem richtigen Farbauftrag, bis zuletzt selbst die geeigneten Farbmischungen erstellt worden sind.
Er steht damit unbewusst in der Tradition der alten Meister, oder auch moderner Künstler wie Yves Klein, die nicht ruhten, bis sie in einem gleichsam alchimistischen Prozess den Farbauftrag sich erarbeitet hatten, der eine gelungene Farbwirkung erreichte.

Die Bilder von Andreas haben einen ganz eigenständigen unverwechselbaren Charakter.
Sie sind geprägt von Unmittelbarkeit und Frische wie sie uns bei bestimmten Farbharmonien der Künstlergruppe des „Blauen Reiter“ oder der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ entgegen strahlt.
Andreas verehrt diese Künstler besonders.
Es ist Ihm kein Weg zu weit um diese Werke im Original zu sehen und zu studieren.

Betrachten wir nun als Beispiel das so genannte „Tulpenbild“ in Acryltechnik, so werden wir unmittelbar an das Tulpenwesen, an das Erlebnis der Farben der Pflanzen, an die Klangwelt eines Blumenstraußes herangeführt.
Bringen wir eine Offenheit für den Klang der Dinge mit, so erlösen wir diese von ihren in Begriffen erstarrten Interpretationen.

Andreas nimmt uns ohne Umschweife mit in seine Erlebniswelt und lässt uns Anteil nehmen an seiner Sicht auf die Welt der Dinge und Personen.
Seine Zugangsart zu den Gegenständen gibt vielleicht Einblick in den Entstehungsprozess seiner Bilder.

So nähert sich der Künstler den Objekten eines Stilllebens beispielsweise so, dass er zuvor Geruch, Geschmack und Gewicht der einzelnen Komponenten in Erfahrung bringt, bevor er seine Farb- und Formkompositionen beginnt.

Diese nach Goethe zu benennende phänomenologische Betrachtungsweise weist uns den Weg zeitgemäßer Bildbetrachtung: „Wahrnehmen heißt Begegnen“.

Eine wahrlich verlorene Qualität in unserer schnelllebigen Zeit, ist sich von der Natur belehren zu lassen, denn die Kunst ist die Dienerin der Natur. „Ars naturae ministra“

Die vorliegende Werkschau lädt uns also ein zu einer Begegnung mit dem jungen Künstler und zugleich auch zu einer neuen, ursprünglicheren Art des Sehens, die endlich auch in der Kunstwissenschaft Einzug gehalten hat.

So formulierte Frau Christa Maar für die Dokumentation anlässlich einer Vorlesungsreihe an der LMU München mit den Titel „ Icon Turn- die neue Macht der Bilder“ wörtlich: „ Das Bedürfnis zu verstehen, auf welche Weise und in welchen Kontexten Bilder entstehen, wie sie wahrgenommen werden und welche Wirkung sie entfalten können, ist, so scheint es, ein zentrales Anliegen der wissenschaftlichen Community geworden.“(Quelle: Editorial zur 3.Auflage,Maar/Buche)

Ich freue mich nun, dass die Jugendkunstakademie München mit ihrer integrativen und interdisziplinären Ausrichtung, gemeint ist hier die künstlerische Therapie auf anthroposophischer Grundlage in Verbindung mit künstlerischer Bildung und Ausbildungsförderung, auch vornehmlich neue Zugänge zur Wahrnehmung, zur Welt und letztlich zur Selbstgestaltung ermöglichen konnte.

Mein besonderer Dank gilt allen Dozentinnen und Dozenten, für die liebevolle, einfühlsame individuelle und zugleich professionelle Begleitung der vielen hundert Jugendlichen, aus über 10 Nationen, auf dem Weg zur Selbst-Werdung und Selbst- Entfaltung.

Mein Dank gilt aber auch den anwesenden Eltern und Andreas selbst, dass sie eigenständig die Initiative ergriffen haben für die erste große Einzellausstellung.

Allen Anwesenden wünsche ich nun offene Herzen und  einen weiten künstlerischen Sinn für die ansprechende Farben-Welt von Andreas Soos.

Hans Joachim von Zieten

Vernissage
Cristina Picciolini - Dozentin der Jugendkunstakademie
Christian Bestle

Cristian Bestle - Didgeridoo Künstler

Ich kenne Andreas und seine Familie seit mehreren Jahren und freue mich, heute hier in der Mohr Villa zu sein. 
Mit meinem kleinen Beitrag möchte ich meinen lieben Andreas bei seiner ersten Ausstellung begleiten. Um Malen und Zeichnen zu lernen, hat sich Andreas vor Jahren in der Jugendkunstakademie für einen Mal- und Zeichenkurs eingeschrieben, den ich seinerzeit gehalten habe.

Kaum hatte ich ihn erblickt, drückte er mir die Hand und sagte: Grüß Gott! Der Händedruck war entschieden, er sah mich an wie einer, der es faustdick hinter den Ohren hat. Er ließ mir ein wenig Zeit zum Nachdenken und dann sagte er: Du wirst sehen, dieser Typ hier wird dich ganz schön auf Trab halten.

Wir haben begonnen zu reden und zu lachen und uns schnell gut verstanden. Geholfen hat dabei der Sinn für jene Art von italienischem Humor, den er bereits kannte.

Dann kam es zur Begegnung mit der Kunst, den anderen Jugendlichen und mir, der für Andreas ungetrübt und unmittelbar stimulierend war.

In sehr kurzer Zeit gelang es ihm zuerst mir, dann seinen Kameraden zu zeigen, wie schön und leicht es sein kann, sich mutig in eine andere Gesellschaft zu integrieren. Eine Gesellschaft, die von Natur aus misstrauisch und furchtsam dem Neuen, dem Genie und allem gegenüber ist, das fremd erscheint, die in ihrem Innersten aber, in ihrem Geist und Wesen, genauso ist wie wir.
Nach diesem Kurs hat Andreas beschlossen, bei uns zu bleiben und weiter in der Welt der Kunst zu experimentieren.
Er hatte auf diese Weise das Glück, seine Entwicklung, seine Veränderung und seine jeweiligen Stimmungen erleben zu können.
Die Kunst ist zu seinem Zuhause und zu seiner Familie geworden. Um sich der Kunst zu widmen, braucht man Zeit, Geduld und Liebe. Das hat uns Andreas mit seinem Beispiel wieder einmal bewiesen.

Mit der Zeit ist es ihm gelungen, seine Lebensumstände in Erfahrungen zu transformieren, wie die heutige Ausstellung zeigt. Mit Geduld hat er das, was ihm angeboten wurde, entdeckt. Mit Liebe hat er sein Wesen geformt und dessen Eigenschaften erstrahlen lassen sowie den wahren Sinn der Verständigung.

In seinen Arbeiten hat er das ausgedrückt, was dem Wort nicht zugänglich ist und über den künstlerischen Ausdruck hat er
„die Möglichkeiten des Kommunizierbaren” erweitert. Er hat die Dimension der Bedeutung überschritten und Zugang gefunden zu jener des Sinns.
In seiner Kunst zeigt er uns Bilder, die mit dem Wasser, den Blumen, den Menschen und den Tieren verbunden sind.
Diese Bilder verfügen über eine ganz eigene Struktur, sie leben durch ihre erfinderische und fantastische Kraft.

Es gibt Augen, die Gedanken der Liebe, Freude und Schmerzen anderer sehen, betrachten und beobachten. Eine Seele, die sich bemühen musste, sich von der Wirklichkeit zu lösen, um dem Herzen zu folgen, den intimen Erinnerungen, der Empfindsamkeit, dem Vorstellungsvermögen.

Das Leben ist ein Geschenk. Auch wenn es zerstörerische Zeiten gibt und Zeiten, die bewahren, glaube ich, dass es unsere Aufgabe im Leben ist, zu lernen, unsere Seele zu schützen.

Andreas wusste schon, dass er diese Begabung seit langem in sich trug. Er hat nur auf den richtigen Moment gewartet, sie herauszuholen.

Cristina Picciolini

Andreas Soos

Liebe Gäste!

Ich möchte mich kurz vorstellen.
Ich bin ein 25jähriger junger Mann und ich weiß dass ich die Gabe habe zum Malen, denn ich bin ein Maler.

Ich male bei mir zu Hause auf der Loggia sehr gerne und ich spiele auch gerne am PC und schaue auch sehr gerne DVD-s und Videokassetten an und mag mich sehr gerne auch  mit meinen Collagen-Bastelarbeiten beschäftigen.
Im neuem Jahr 2010 werde ich mit meinem EBK Sportverein  Boccia Training machen, und später dann in Bremen bei den Specialolympics mit meinem Sportverein an den Boccia Tournierspielen teilnehmen zu können.
Denn der EBK Verein wird dann dort in Bremen gegen andere behinderte Boccia Spieler aus anderen verschieden Vereinen antreten.

Über meine Werke:
Ich male sehr gerne in der Jugendkunstakademie und zwar jeden Freitag bei Cristina schöne Skulpturen und Stillleben.
Und manchmal malen wir auch richtige menschliche Akte und gehen wir auch zur Glyptothek, Skulpturen mit Papier und Bleistift zu zeichnen.
Der Leiter von der Jugendkunstakademie ist Hans-Joachim von Zieten und die Leiterin seine liebe Ehefrau heißt Yvonne von Zieten.
Mit Herr und Frau von Zieten waren wir auch schon einmal am Ammersee spazieren und ich bin sogar mit Herr von Zieten und meinem Vater Ruderboot gefahren und das fand ich sehr schön.

Mit meiner Jugendausgehgruppe haben wir auch sehr schöne Programme, denn einmal gingen wir zur Theateraufführung und wir machen auch einen sehr schönen DVD und Video Kinoabend in der EBK Kontaktstelle.
Ich hoffe, wenn Sie meine Bilder anschauen, werden sie ihnen gut gefallen.

Andreas Soos

Vernissage
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